Titel

Schauz, Désirée (Hrsg.) / Freitag, Sabine (Hrsg.)

Verbrecher im Visier der Experten

Kriminalpolitik zwischen Wissenschaft und Praxis im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Wissenschaft, Politik und Gesellschaft
Band 2

ISBN 978-3-515-09055-1

EUR 39,00
Preise jeweils
inklusive MwSt.

Abstract

Welchen Einfluss hatte die Wissenschaft auf Kriminalpolitik und Strafpraxis im 19. und frühen 20. Jahrhundert? Bislang galt die Genese der Kriminologie Ende des 19. Jahrhunderts als entscheidender Paradigmenwechsel in der Entwicklung des modernen Kriminalitäts- und Strafverständnisses.

Die in diesem Band versammelten Beiträge zu Gefängniskunde und Kriminalstatistik verdeutlichen hingegen, dass die Verwissenschaftlichung der Kriminalpolitik wesentlich früher einsetzte. Zugleich belegen die hier vorgestellten Beispiele aus Polizei-, Justiz- und Vollzugspraxis aber auch, wie Alltagswissen, soziale Differenzierungen sowie politische und institutionelle Interessen weiterhin das vermeintlich objektive Verbrecherbild bestimmten.

Der Band zeigt damit auf, dass selbst im Zuge von Kriminalanthropologie und -biologie traditionelle sozial-moralische Kriminalitätsdefinitionen nicht einfach von neuen naturwissenschaftlich-medizinischen Erklärungen abgelöst wurden.

Aus dem Inhalt

Vorwort
Désirée Schauz / Sabine Freitag: Verbrecher im Visier der Experten. Zur Einführung

I. Kriminalpolitische Expertenforen und ihr Personal:
Lars Hendrik Riemer:
»Fürsten der Wissenschaft« und »arme kleine Praktiker« ? Theoretiker und leitende Strafanstaltsbeamte im Gefängnisreformdiskurs des 19. Jahrhunderts
Martina Henze: Netzwerk, Kongressbewegung, Stiftung: Zur Wissenschaftsgeschichte der internationalen Gefängniskunde 1827 bis 1951
Sylvia Kesper-Biermann: Wissenschaftlicher Ideenaustausch und »kriminalpolitische Propaganda«. Die Internationale Kriminalistische Vereinigung (1889–1937) und der Strafvollzug

II. Kriminologisches Wissen zwischen Alltagserfahrung, wissenschaftlichem Anspruch und politischer Strategie:
Karsten Uhl:
Die Bedeutung der Kategorie Geschlecht für den Wandel des Strafdenkens im 19. Jahrhundert
Thomas Kailer: »Intelligent, aber leichtsinnig«. Weibliche Strafgefangene in der kriminalbiologischen Untersuchung, 1923–1945
Sabine Freitag: »Society is the Super-Criminal« – Philanthropie, Statistik und die Debatten über die Ursachen von Kriminalität in England (1834–1932)
Andreas Fleiter: Die Kalkulation des Rückfalls. Zur kriminalstatistischen Konstruktion sozialer und individueller Risiken im langen 19. Jahrhundert

III. Expertenwissen und Strafpraxis:
Falk Bretschneider:
Die »Gefängnis-Klinik«. Wissenschaft und Strafvollzug im 19. Jahrhundert. Das Beispiel Sachsen
Sandra Leukel: Im »Weiberzuchthaus«. Frauenstrafvollzug im Kaiserreich am Beispiel der badischen Frauenstrafanstalt Bruchsal
Désirée Schauz: Straffälligenfürsorge und Kriminologie. Wege und Grenzen der Verwissenschaftlichung
Urs Germann: Der Ruf nach der Psychiatrie. Überlegungen zur Wirkungsweise psychiatrischer Deutungsmacht im Kontext justizieller Entscheidungsprozesse
Jens Jäger: Internationales Verbrechen – Internationale Polizeikooperation 1880–1930. Konzepte und Praxis

Personenregister — Sachregister

1. Auflage 2007. 334 S., 2 s/w Abb.
Kartoniert

Franz Steiner Verlag

Über die Autoren

Autoren

Désirée Schauz

Désirée Schauz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentralinstitut für Geschichte der Technik an der TU München. Sie wurde mit einer Arbeit zum Thema „Strafen als moralisches Besserungsprojekt. Eine Problemgeschichte der Straffälligenfürsorge, 1777-1933“ an der Universität zu Köln promoviert. Weitere Schwerpunkte ihrer Forschung liegen in den Bereichen historische Protestforschung und Geschichte populärer Kultur im 19. Jahrhundert sowie Wissenschaftsgeschichte im deutsch-amerikanischen Vergleich (20. Jahrhundert).

[Von Désirée Schauz erschienene Publikationen]

Sabine Freitag

Sabine Freitag ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Seminar der Universität zu Köln innerhalb des DFG-Schwerpunktprogramms „Wissenschaft, Staat und Gesellschaft“. Ihr laufendes Habilitationsprojekt beschäftigt sich mit den „Grenzen des Expertentums. Englische Kriminalitätsdiskurse im Spannungsfeld von Staat, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, 1830 – 1940“. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der deutschen, englischen und amerikanischen Geschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, besonders die Geschichte der deutschen Revolution von 1848, die politische Emigration nach England und den USA und die Wissenschafts- und Kriminalitätsgeschichte Großbritanniens.

[Von Sabine Freitag erschienene Publikationen]